Das Motiv

Das diesjährige Jugendforum hat sich als Ziel gesetzt, den Fokus auf eine bisher weniger betrachtete Opfergruppe der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu richten. Homosexuelle wurden lange Zeit nicht als Opfergruppe anerkannt und als diese zudem nur selten thematisiert. Noch in der Gegenwart werden Angehörige einer sexuellen Minderheit immer wieder mit Ausgrenzung und Gewalt konfrontiert.

Homosexuelle gehören zu den Opfern des Nationalsozialismus genauso wie andere Menschen, die nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten passten. Darunter Juden, Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Beeinträchtigung, Sinti und Roma, politisch Andersdenkende und Kritiker des Hitler-Regimes.

Die nationalsozialistische Ideologie verurteilte Homosexualität als „widernatürlich“ und „asozial“. So hatten auch Homosexuelle unter polizeilicher Erfassung, Demütigung, Verfolgung und Vernichtungsaktionen zu leiden. Ihre systematische Verfolgung begann 1934. Über 100.000 Männer wurden dabei polizeilich erfasst. Bis 1945 wurden rund 50.000 Männer nach dem § 175 StGB verurteilt, den die Nationalsozialisten nach der Machtübernahme im Januar 1933 verschärften. Die Verfolgungsgeschichte dieser Opfergruppe wahr jahrzehntelang ein tabu. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt der § 175 StGB fort. homosexuelle wurden nicht als Opfergruppe der nationalsozialistischen Herrschaft anerkannt, weil sie als „zurecht verurteilt“ wahrgenommen wurden. Im Jahr 1969 wurde der § 175 StGB in der Bundesrepublik abgeschwächt: Homosexualität unter Erwachsenen (volljährig war man mit 21 Jahren) war seitdem straffrei. Endgültig wurde der § 175 StGB in der Bundesrepublik schließlich im Jahr 1994 aufgehoben. Die Urteile gegen Homosexuelle aus der NS-Zeit wurden erst 2002 revidiert, nicht aber die nach 1945 gefällten Urteile.

Darüber spricht man nicht?

 

denk!mal 2017 Motiv

Das Motiv ist das Titelbild der Graphic Novel „Rosa Winkel“ von Michel Dufranne. Der Protagonist Andreas, Anfang 20, Werbezeichner und homosexuell, wird von den Nationalsozialisten wegen seiner sexuellen Neigung verurteilt und schließlich ins Konzentrationslager deportiert.

Im Konzentrationslager fanden sich Männer mit dem „rosa Winkel“ am unteren Ende der Häftlingshierarchie wieder. Er überlebt das Lager, doch auch nach der Befreiung wird er mit Diskriminierung und Ausgrenzung konfrontiert, da der § 175 StGB weiter besteht und Homosexualität weiter kriminalisiert wird.

Auf dem Titelbild ist Andreas in KZ-Kleidung zu sehen. Er trägt den „rosa Winkel“, der ihn als Homosexuellen sichtbar macht. Er wird von seiner Umgebung nicht beachtet. Seine Mitmenschen schauen ihn nicht an. Andreas ist sozial isoliert…