Der 9. November

Vor 72 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in ganz Deutschland Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte geplündert und zerstört und Juden verhaftet und in Konzentrationslagern inhaftiert. Diese antijüdischen Ausschreitungen werden heute unter dem Begriff ‚Novemberpogrom’, ‚Reichspogromnacht’ oder ‚Kristallnacht’ erinnert. Die seit 1933 vorangetriebene Entrechtung und Diskriminierung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger erreichte eine neue Stufe der Gewalttätigkeit.

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ Mit diesen Worten begründet der Schriftsteller und Auschwitz Überlebende Primo Levi, warum es wichtig ist, dass wir uns auch heute noch mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen.

Der KZ- Überlebende Max Mannheimer, der letztes Jahr als Ehrengast beim Jugendforum denk!mal dabei war, erinnert sich an den 9. November 1938. Er war damals gerade 18 Jahre alt:

Ein offener Polizeiwagen fährt vor unserem Hause vor. Jüdische Männer sitzen auf dem Wagen, bewacht von Schupos in grüner Uniform. Zwei Schupos kommen die Treppe hoch. Meinem Vater wird erklärt, er werde in Schutzhaft genommen, damit ihm nichts passiere. Vermutlich wegen der “kochenden Volksseele”. Ich stehe neben der Tür. “Wie alt ist der Bengel?”, fragt der Schupo. Mein Herz klopft ganz laut. Hätte Mutter mein Alter genannt, wäre ich ins Gefängnis mitgenommen worden. Der Schutz kam von der Mutter, nicht von der Schutzpolizei.

Weitere Informationen sowie der vollständige Zeitzeugenbericht von Max Mannheimer sind zu finden unter: www.schoah.org

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