Das Motiv

„Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit“. Dieses Zitat entstammt einem im Januar 1943 verteilten Flugblatt der „Weißen Rose“, der Widerstandsgruppe um die Studenten Sophie und Hans Scholl. Die Verfasser meinten damit die Gleichgültigkeit der Deutschen gegenüber den Verbrechen der Nationalsozialisten. Nur einen Monat später wurden die Geschwister Scholl beim Verteilen eines weiteren Flugblatts verhaftet, von den Nazis zum Tode verurteilt und hingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt waren die Beiden Anfang beziehungsweise Mitte Zwanzig. Sie wurden also mitten aus dem Leben gerissen, weil sie sich mutig gegen die nationalsozialistische Diktatur stellten. Am 22. Februar 2013 ist es 70 Jahre her, dass Sophie und Hans Scholl ermordet wurden.

Motiv denk!mal 2013

Das Motiv von denk!mal 2013. Illustration: © Jörg Hülsmann

Rechtsextreme Gewalt, mitten am Tag und auf offener Straße: Zwei schwarz-gekleidete und vermummte Personen attackieren ein Ladengeschäft. Eine von ihnen schmeißt gerade einen weiteren Stein in die bereits zersprungene Scheibe des Geschäfts. Die zweite Person sprüht etwas an den geschlossenen Rollladen des Lokals: „NSU“, also das Kürzel für die Nazi-Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“, ist dort nun zu lesen. Während dies geschieht, schlendern vier Personen über den Gehweg aus dem Bild heraus. Sie kümmern sich also ganz offensichtlich nicht um das, was gerade in ihrer unmittelbaren Umgebung geschieht. „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit“ ist deshalb auch neben den Passanten zu lesen.

Das Szenario auf dem Motiv für das Jugendforum denk!mal ’13 ist fiktiv. Doch rechte Gewalt, Rassismus und Intoleranz gibt es auch fast 70 Jahre nach Ende des NS-Regimes immer noch. Das zeigen die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrund“ ebenso wie andere aktuelle Vorfälle. Somit bleibt der Appell der „Weißen Rose“ aktuell. Denn wir dürfen auch heute nicht bei Hass, Gewalt und Intoleranz wegsehen. Das ist das Vermächtnis der Geschwister Scholl. Es ist also wichtig, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und aus dieser für die Gegenwart und für die Zukunft zu lernen: Nur wenn wir uns immer wieder dafür einsetzen, dass die Würde jedes einzelnen Menschen unantastbar bleibt, kann eine demokratische, tolerante und bunte Gesellschaft Hass, Gewalt und Intoleranz widerstehen.