Zwangsarbeit in Berlin

Millionen Menschen wurden während des Zweiten Weltkrieges aus den besetzten Ländern zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert. So wie die Zwangsarbeiter/-innen, die ihr auf dem Schwarz-Weiß-Foto auf unserer Webseite seht.

Von einer der Abgebildeten wissen wir den Namen: Sie hieß Aniela B. (3. v. l.) und stammte aus dem polnischen Lodsz. Ab 1942 musste die 19-Jährige bei AEG in Hennigsdorf und später im Eisenbahnbau Zwangsarbeit leisten.

Das Abzeichen „P“ auf ihrer Kleidung kennzeichnete sie für jeden sichtbar als Polin. Aniela beschrieb später die Demütigungen, denen sie deshalb ausgesetzt war:

Als Polinnen wurden wir mit dem ‚P‘ gekennzeichnet. Das Abzeichen in Form eines Rhombus mussten wir an der Kleidung angenäht haben. Wenn der Gendarm (ich weiß noch seinen Namen: Müller) bemerkte, dass der Buchstabe fehlt, schlug er uns ins Gesicht. Ich erfuhr auch andere Beleidigungen: Deutsche Kinder, die uns von der Arbeit kommen sahen, schrien hinter uns her: ‚Polnische Schweine‘.[1]

1944 gab es in Berlin mindestens 1.000 Zwangsarbeiterlager für mehr als 400.000 Frauen und Männer aus über 20 Nationen.[2] Insgesamt existierten in Berlin im Laufe der Kriegsjahre mehr als 3.000 über die ganze Stadt verteilte Sammelunterkünfte für Zwangsarbeiter/-innnen. Sie waren überall. Zwangsarbeit war für jeden sichtbar.

Auch auf dem Flughafen Tempelhof – den ihr ebenfalls auf unserem Titelmotiv seht – wurden tausende Zwangsarbeiter/-innen aus Polen, Frankreich, der Sowjetunion und anderen besetzten europäischen Ländern unter sehr harten Bedingungen in der Flugzeugwartung eingesetzt.

Wenn ihr euch näher mit dem Thema Zwangsarbeit auseinandersetzen wollt, solltet ihr das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide besuchen.

[1] Aus den Erinnerungen von Aniela B., Zeitzeugenarchiv des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, dzsw1459

[2] https://www.thf-berlin.de/standortinfos/standortgeschichte/nationalsozialismus/zwangsarbeiter/